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Neues aus dem Heimatmuseum


Historische Abstatter Geschichten – Leben, Handwerk und Anekdoten aus Abstatt

Liebe Abstatterinnen und Abstatter,

 

damit Sie ein wenig aus dem derzeitigen doch auch schwierigen Leben mit dem Corona Virus etwas „herausgerissen“ bzw. abgelenkt werden, haben wir für Sie die Reihe:

„Historische Abstatter Geschichten – Leben, Handwerk und Anekdoten aus Abstatt“

erdacht. Wir möchten Ihnen Abstatt und seine Vergangenheit, das Leben in der Gemeinde aus den letzten drei Jahrhunderten näherbringen. Dazu präsentieren wir Ihnen besondere Stücke und Raritäten aus unserem Heimatmuseum und erzählen Ihnen deren Geschichte dazu. Natürlich können die gezeigten Objekte bei einem Besuch im Abstatter Heimatmuseum persönlich in Augenschein genommen werden (sobald das Rathaus wieder geöffnet hat)

Viel Spaß beim kleinen historischen Spaziergang durch das Heimatmuseum Abstatt.

 

 

KW 34

 

Das Abstatter Turngerät „Saturn“ (1927)

 

In den kleinen Dorfschulen war das Turnen immer ein Problem und ein Stiefkind des Unterrichts. In Abstatt wurde auf dem Platz zwischen Schule und Kirche Turnunterricht erteilt, so gut, wie es der (einzige) Lehrer halt konnte.

 

Mit Martin Lamparter war in den 1920er Jahren ein Lehrer in Abstatt, der die Bedeutung des Sports hoch einschätzte. Im Turnen, wie er es verstand, würden „die Früchte der Arbeit oft auf geistig-seelischem Gebiet geerntet.“ Aus der Not der fehlenden Möglichkeiten in Abstatt heraus, entwickelte er ein umfangreiches Holz-Kombigerät aus Leitern, Sprossenwänden und Stangen, das unter dem Namen „Saturn“ von einer Firma in Ulm und in Wien vertrieben wurde.

 

Die Anleitung zu diesem Gerät, ein gebundenes Büchlein mit dem Titel „Freudvolles Geräteturnen“, ist reich bebildert. Aufgenommen wurden die Bilder der turnenden Abstatter Schulkinder vor der Kirche und auf einer Wiese hinter der ehemaligen Kelter.

 

Offensichtlich waren die Schüler auch des Öfteren bei der Demonstration des Gerätes für Interessenten im Einsatz, was den Gemeinderat im August 1927 zum Abschluss der in diesem Jahr neu eingeführten Schüler-Unfallversicherung veranlasste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KW 24

 

Der Phonograph „The Graphophone, Columbia Phonograph“
(ca. um 1890 bis 1900)

 

Bei diesem Graphophon (im englischen „Graphophone“), handelt es sich um eine Weiterentwicklung des von Thomas Edison erfunden Phonographen durch den Chemiker Chichester Alexander Bell und den Ingenieur Charles Sumner Tainter, für welche diese am 4. Mai des Jahres 1886 das Patent zuerkannt bekamen.

Nachdem Edison seine Erfindung des Phonographen der Weltöffentlichkeit vorgestellt hatte, einhergehend mit der beginnenden Kommerzialisierung durch Vertreter, die mit der neuen Sprechmaschine ausgestattet, Präsentationen in der Öffentlichkeit zu allerlei Anlässen gegen Entgelt durchführten, verflachte das Interesse Edisons an seiner Erfindung zunehmend, da Edison die zu bewältigenden Verbesserungen immens erschienen.

Die Weiterentwicklung des Edison-Phonographen erfolgte in dem von Alexander Graham Bell im Jahre 1881 gegründeten Volta Laboratory, welches in Georgetown, Washington, D.C. – Vereinigten Staaten gelegen war und mittels des mit 10.000 US-Dollar, 50.000 Franc dotierten Volta-Preis finanziert wurde, die er von der französische Académie des sciences für die Erfindung des Telefons erhalten hatte. An der Fortführung der technischen Reifung des Phonographen waren sein Cousin Chichester Bell und der Alexander Graham Bell nahestehende Charles Summer Tainter beteiligt. Beide Erfinder erhielten für die von ihnen als Graphophon bezeichnete verbesserte Version des Phonographen am 4. Mai des Jahres 1886 das Patent zuerkannt.
Der wesentliche weiterführende Entwicklungsschritt stellte in diesem Zusammenhang die Ersetzung der von Edison verwendeten Zinnfolie als Aufzeichnungsmedium für die Tonsignale, aufgespannt auf einen rotierenden Zylinder, durch eine mit Wachs überzogene Papprolle dar, die zu einer erheblichen Verbesserung der klanglichen Eigenschaften führte. Schrieben die Zinnfolien-Phonographen die Tonsignale zuvor nicht vollständig in den Tonträger, sondern oftmals nur als Folge von Punkten und ovalen Vertiefungen, gravierte der Stichel des Graphophons die mechanisch umgesetzten Schallwellen nunmehr, ähnlich dem Schneidevorgang einer Drehbank, kontinuierlich ohne Unterbrechung in die genutzte Phonographenwalze. Weitere Verbesserungen, die sich aus der Verwendung von Tonträgern mit Wachsüberzug ergaben, war zum einen die verbesserte Haltbarkeit der Tonmedien hinsichtlich des Verschleißes beim Abspielen und zum anderen die Verringerung störender Nebengeräusche, wie Kratzen durch den Aufnahmestichel.

Es ist anzumerken, das die ersten Graphophone anfänglich noch recht einfache, wenig ausgereifte Geräte waren, die erst in den folgenden Jahren eine schrittweise Perfektionierung, durch ihre Kommerzialisierung, erfuhren. So verfügten die ersten Modelle, wie die gleichzeitig angebotenen und genutzten Phonographen, noch über einen Handkurbelantrieb, einen Trichter zur Aufzeichnung von Schallwellen sowie einen Hörschlauch der bei der Wiedergabe von Aufzeichnungen seinen Einsatz fand. Spätere Errungenschaften wie beispielsweise Feder- oder Gewichtsantriebe, waren noch nicht in die Geräte integriert.

 

Doch wie kam der Graphophon zu uns in das Heimatmuseum?

Eine liebe Abstatterin kam unlängst zu mir und bot den Graphophon als Ausstellungsstück für das Heimatmuseum an. Gerne griff ich zu, da diese „sprechende Maschine“ etwas ganz Besonderes und für unsere Dauerausstellung Einzigartiges ist.

Dieser Phonograph ist seit über 100 Jahren im Besitz der Familie dieser Abstatterin. Der Großonkel der Dame wanderte einstmals nach Amerika aus und hatte damals diesen Phonographen als große Errungenschaft seiner Mutter nach Deutschland geschickt um, anstatt mit Briefen, mit Sprachnachrichten auf der Walze seiner Mutter Kunde von ihm zu tun. Das war natürlich in den Anfängen des 20. Jahrhunderts schon eine kleine Sensation. Wer erhielt in dieser damaligen Zeit schon „moderne“ Sprachnachrichten aus der großen weiten Welt?

Das Gerät wurde in dieser Familie von Generation zu Generation weitergegeben und hat zwei Weltkriege „überlebt“ und kann heute noch in Gang gebracht werden.

 

(Es fehlen der Schalltrichter und der Hörschlauch sowie das Antriebsband)

KW 22

 

Die Abstatter Feuerwehr im 18. Jahrundert
von Jürgen Maute

 

in unserer Reihe "Neues aus dem Heimatmuseum" präsentieren wir Ihnen diese Woche die Ausführungen von Jürgen Maute zur Abstatter Feuerwehr im 18. Jahrhundert. Herr Maute ist Heimatforscher und entwickelt seine Texte basierend auf geschichtswissenschaftlichen Recherchen aus historischen Originalquellen.

 

Wie war die Situation Abstatts im 18. Jahrhundert?

Abstatt war ein kleines Dorf mit ca. 700 Einwohnern, lebte von der Landwirtschaft und vom Handwerk.

Das Dorf wurde von der katholischen Linie der Grafen-, und ab 1711 der Fürsten, von Löwenstein-Wertheim regiert und verwaltet. Sie hatten Abstatt nach dem 30jährigen Krieg und einem folgenden 5-jährigen Streit vor der Friedenskommission nur auf den massiven Druck des Kaisers im Herbst 1653 als württembergisches Lehen gegen den Willen des Herzogs von Württemberg zugesprochen bekommen. Der Herzog wollte es an die evangelische Linie des Hauses Löwenstein-Wertheim geben oder bei seinem Obristen Peter Pflaumer belassen, dem er es 1639 nach dem Aussterben der Abstatter Linie der Löwensteiner überlassen hatte. Peter Pflaumer musste Abstatt verlassen und die ganze Ernte von 1653 den neuen Eigentümern übergeben, er selbst wurde vom Herzog mit Helfenberg entschädigt.

Da dem Herzog von Württemberg die katholischen Fürsten von Löwenstein-Wertheim als Lehensnehmer von Abstatt aufgezwungen wurden, war das Verhältnis des Herzogs zu den katholischen Fürsten von Löwenstein-Wertheim aber auch zu Abstatt selbst schwer belastet, und die Markungsgrenze Abstatts hatte in einzelnen Fällen fast den Status einer Staatsgrenze.

Abstatt war eine Exklave des Fürstentums Löwenstein-Wertheim in Württemberg mit der Einschränkung, dass es „nur“ ein Lehen Württembergs war, während das Fürstentum selbst reichsunabhängig und nur dem Kaiser Rechenschaft schuldig war. Der Vogt von Beilstein wurde daher vom Herzog von Württemberg zum „Reservatenvogt“ von Abstatt bestellt, der darauf achten musste, dass die verbliebenen Rechte Württembergs, insbesondere bei Schul- und Kirchenangelegenheiten, beachtet wurden.

Der höchste Beamte der Löwenstein-Wertheimer Herrschaft in Abstatt war der Amtmann, der die Regierung in Wertheim repräsentierte. Danach kam der Rentmeister, der die Erträge der Fürsten eintreiben und verwalten musste. Abstatt hatte eine eigene Gerichtsbarkeit für zivile und kriminelle Delikte und daher auch einen Anwalt, Gerichtspersonen und ein Hochgericht oder Galgen, das alle 30-40 Jahre mit einer großen Zeremonie erneuert wurde. Die Gemeinde wurde von einem ehrenamtlichen Bürgermeister und einem Rat aus ehrenamtlichen Mitgliedern verwaltet. Einnahmen erhielt die Gemeinde insbesondere aus den Gerichtskosten und evtl. aus dem aus Eichen bestehenden Gemeindewald (Hohbuch).

1726 regierte Fürst Dominik Marquard (1718-1735) und nach ihm kam die lange Regierungszeit von Karl Thomas (1735-1789). Der letzte regierende Fürst war Dominik Konstantin (1789-1806). 1790-1800 war Ludwig Friedrich Treffz Amtmann in Abstatt, während in dieser Zeit Neidhardt Rentmeister war und 1800 zum Amtmann aufstieg. Beide waren auch Mitglieder der Hofkammer in Wertheim. Regierungsgeschäfte wurden vielfach auch im Schloss in Kleinheubach am Main abgewickelt, das heute noch im Besitz der katholischen Linie von Löwenstein-Wertheim ist. Die Fürsten wurden mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1806 entmachtet, ihr großer Einfluss in Abstatt endete aber erst mit der Ablösung der Fronrechte 1839. Bis ins 20. Jahrhundert gehörten ihnen noch Vohenlohe, die Wildeck und viele Grundstücke.

 

Im Landesarchiv Baden-Württemberg Wertheim-Bronnbach finden sich drei Archivalien, die sich mit der Feuerwehr in Abstatt befassen. Beim ersten Dokument [1] handelt es sich um die Bestellung  einer Feuerspritze aus dem Jahr 1726

Bittgesuch der Gemeinde Abstatt um eine Beisteuer (Beitrag) zu ihrer Feuerspritze

Durchlauchtigster Fürst, gnädiger Fürst und Herr,

Nachdem in der hiesigen Nachbarschaft in letzter Zeit von mehreren gefährlichen Feuersbrünsten berichtet wurde, haben wir uns zur angemessenen Vorsorge eine Feuerspritze beschafft, die vom Schmid und Feuerspritzenmacher in Biberach hergestellt und geliefert werden soll. Wir müssen für die Spritze 160 (oder 60?) Gulden bezahlen und sind dafür noch in der Schuld des Herstellers.

Da die hochfürstliche Herrschaft in Abstatt auch einige herrschaftliche Gebäude, das Hofgut Vohenlohe und die Burg Wildeck besitzt, möchten wir sie untertänigst anflehen und bitten, zu den Kosten der Feuerspritze einen in ihr gnädigstes und günstigstes Belieben gestellten Betrag beizusteuern. Eine derart gezeigte große Gnade möge Ihnen, der fürstlichen Regierung und all den entscheidenden Persönlichkeiten der gerechte Gott mit beständiger Gesundheit belohnen, und wir werden die erwiesene Gnade zeitlebens nicht vergessen.

Untertänigst und gehorsamst, Abstatt 1. Februar 1726     Untertänigst und gehorsamst Anwalt, Bürgermeister, Gericht und Rat samt der gesamten Gemeinde allda

 

72 Jahre später, im Jahre 1798 berichtet ein Dokument [2] wieder über die Feuerspritze. In Abstatt sind der Rentmeister Neidhardt und der Amtmann Treffz keine besten Freunde und schwärzen sich gegenseitig – wie auch aus anderen Dokumenten ersichtlich – gerne bei der Herrschaft in Wertheim an. In diesem Fall berichtet der Rentmeister nach Wertheim, dass die Spritze nicht mehr funktioniert. Bei Bränden in Gronau und in Lauffen war sie zwar dabei, konnte aber nicht eingesetzt werden. Daraufhin verlangt die Herrschaft vom Gerichtsamt in Abstatt, dass die Feuerspritze auf Kosten der Gemeinde unverzüglich wieder in einen einsatzfähigen Zustand gebracht werden muss. Darauf meldet Amtmann Treffz zusammen mit dem Bürgermeister von Abstatt, die Feuerspritze sei doch voll einsatzfähig. Nun verlangt die Regierung in Wertheim, der Rentmeister Neidhardt solle einen schriftlichen Bericht erstellen, warum er die Feuerspritze als unbrauchbar bezeichnet habe, wo sie sich doch im besten Zustand befinden solle.

Rentmeister Neidhardt war jetzt in Not, und er verbündet sich mit dem „Feuerspritzenmeister“ Albrecht Schanzenbach. Neidhardt selbst schreibt einen Brief nach Wertheim und verwahrt sich dagegen, dass er so dargestellt werde, als habe er die Regierung mit einer Lüge hintergangen. Er entschuldigt sich mit der Tatsache, dass die Spritze ohne sein Wissen repariert wurde. Neidhart setzt ein weiteres Schreiben auf, das vom Feuerspritzenmeister Schanzenbach unterschrieben wird, und in dem der Sachverhalt geschildert wird. Schanzenbach beklagt, dass die Spritze keine geeignete Unterkunft habe, sie stehe einmal in der Kelter, oft im Freien, oft aber auch in irgendeinem „Winkel“. Der Schmid habe die Spritze nach dem Debakel in Lauffen mit ein paar starken Männern notdürftig zusammengeflickt. Der Fahrfehler der Spritze sei aber nicht behoben, bei schneller Fahrt und bei schlechten Wegen drohe sie umzustürzen, so dass die mitfahrenden Feuerwehrleute in Lebensgefahr wären. Da aber z.Zt. kein Geld vorhanden wäre, könne man damit leben und die Spritze zumindest in Abstatt weiterhin einsetzen.

Die Regierung in Wertheim beschließt daraufhin, sich beim nächsten Besuch in Abstatt die Spritze anzusehen.

 

Ein drittes Dokument [3] befasst sich mit einem Brand in Abstatt selbst und dieses Mal auf dem fürstlichen Hof Vohenlohe im Jahre 1783.

Es wird berichtet, dass bei dieser Feuersbrunst von den verschiedenen umliegenden Ortschaften viele Helfer mit Eimern herbeigeeilt wären. Die aus Leder bestehenden Feuereimer sind mit dem Namen der Ortschaft gekennzeichnet. Nachdem der Brand gelöscht war, hat man – wie üblich – alle Feuereimer auf einen Haufen geworfen. Am nächsten Tag wurden sie von den Abstattern sortiert und geprüft und jeder Ortsvorsteher aus den Nachbarorten bekam seine Eimer wieder zurück. Allerdings beklagten Heinrieth und Gruppenbach den Verlust von insgesamt 15 Eimern. Es entsprach nun den damaligen Regeln, dass das Dorf, dem geholfen wurde, die abgängigen Eimer anderer Orte ersetzen musste. Daher bestellte der damalige Rentmeister Dehn beim Sattler Beil in Oberstenfeld 15 Löscheimer aus gutem und starkem Sohlenleder für 10 Gulden und 30 Kreuzer. Da es sich um ein Feuer auf dem Fürstenhof gehandelt hatte, ging der Kaufvertrag direkt an die Regierung mit der Bitte, in üblicher Weise damit zu verfahren.

 

 

Ergänzende Kommentierung

Die Abstatter Feuerwehr bekam also 1726 sehr früh eine Feuerspritze, die sich kleinere Dörfer eigentlich nicht leisten konnten. Sie galt als Luxus, und im Königreich Hannover wurde erst 1781 als herausragende Maßnahme darauf hingewiesen, dass alle Ämter mit Feuerspritzen versorgt wurden (Wikipedia Feuerspritze). Man kann davon ausgehen, dass der Fürst von Löwenstein-Wertheim über die Anschaffung schon zuvor Bescheid wusste und auch einen Beitrag zugesagt hatte, aber dies musste eben in der damals ehrergiebigen Form eines Bittgesuches erfolgen. Bei der Spritze handelte es sich um eine sogenannte Stoß- oder Druckspritze, zu deren Betrieb bis zu 15 Personen benötigt wurden.

Für die Feuerwehr war die Gemeindeverwaltung in Abstatt verantwortlich, und zwar das Gerichtsamt, also die Stelle, die auch die am Ort anfallenden Rechtsstreitigkeiten abwickeln musste. Die Gemeinde Abstatt musste auch grundsätzlich die Kosten für die Feuerwehr tragen. Eine eigene Behausung für die doch recht wertvolle Spritze gab es nicht, die zum Schutz von noch nicht brennenden Gebäuden oder Gebäudeteilen unentbehrlich war.

Dass sich Alfred Schanzenbach als Feuerspritzenmeister bezeichnete, ist offenbar der Tatsache geschuldet, dass Abstatt ein technisches Gerät besaß, das nicht jeder bedienen konnte. Es gab auch später noch, am 12.01.1837[4] einen Spritzenmeister namens Heinrich Schanzenbach, möglicherweise ein Sohn von Albrecht Schanzenbach. Vielleicht hätte man diese Personen auch als Feuerwehrkommandanten bezeichnen können, die es dann in Abstatt schon 1726 gegeben haben müsste.

Aus der Festschrift der Abstatter Feuerwehr ergibt sich auch, dass am 9. Juni 1891 eine alte Stoßspritze, die nicht mehr benutzbar war, für 35 RM an die Gebrüder Bachert in Kochendorf (Hersteller damals moderner Spritzen) verkauft wurde. Sie soll ca. 125 Jahre alt gewesen sein. Daraus errechnete man ein Anschaffungsdatum um 1766. Es muss sich aber um die Spritze von 1726 gehandelt haben, denn von der Anschaffung einer weiteren Spritze ist zumindest nichts bekannt. Die Fa. Bachert kaufte sie offenbar als Antiquität und vielleicht steht die Abstatter Spritze noch heute in einem Museum herum.

Die übrigen wichtigsten Werkzeuge der Feuerwehr waren, Einreißhaken, Leitern und Feuereimer. Einreißhaken bestanden aus Eisen, trugen vorne eine Spitze und einen nach unten gekrümmten Haken, um sowohl brennende Teile einreißen als auch umstoßen zu können. Dass beim Brand in Vohenlohe 15 Löscheimer verschwanden, lag vielleicht auch daran, dass die hilfreiche Bevölkerung aus dem Brand auf einem fürstlichen Hof schloss, dass der Besitzer, nämlich die Fürsten, auch für die Verluste aufkommen müssen, wie dies ja dann auch geschah.

Abstatt hat heute kein Gerichtsamt mehr und das ist wahrscheinlich auch gut so. Das Gerichtsamt war ja zumindest im Zivilbereich nur für Streitigkeiten unter Abstatter Bürgern zuständig und die Tatsache, dass im Landesarchiv Baden-Württemberg heute noch Akten von 500 Verfahren lagern, zeigt, dass dieses Amt nicht unbedingt der Friedfertigkeit unter der Bürgerschaft diente. Dafür hat aber Abstatt heute ein Kulturamt, das eher geeignet ist, die Menschen zusammenzubringen.

 

 

[1] R-Rep 87a- 217 LA-BW Wertheim-Bronnbach

[2] R-Rep 65a – 30  LA-BW Wertheim-Bronnbach

[3]  R-Rep 5a – Nr. 59 Landesarchiv BW-Wertheim-Bronnbach

[4] 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Abstatt von 2013, Festschrift

KW 20

 

Der Hegelmaierstock

Von Julie Michelfelder (Nachfahrin des Paul Michelfelder)

 

Eines Tages musste der Schultheiß Paul Michelfelder (Amtszeit von 1891 bis 1902) in einer dringenden Angelegenheit nach Heilbronn zu Oberbürgermeister Paul Hegelmaier (Amtszeit von 1884 bis 1903).

Der Michelfelder bekam aber kein Recht von dem Hegelmaier. Im Heilbronner Rathaus ging man nach den Sitzungen eine eiserne Wendeltreppe hinunter und hatte im Ratskeller weitergetagt: Und wie der Michelfelder so gewesen ist, hat er sich hingesetzt, gegenüber vom Hegelmaier und dann haben sie diskutiert, wer Recht und wer Unrecht hat. Der Michelfelder hat mit dem Hornpicker, seinem Spazierstock,  den Hegelmaier so lange gestupft, bis dieser nachgegeben hat. Dann ist der Michelfelder nach Hause und die Abstatter haben laut über den Ausspruch gelacht: „Musst halt ein Stöckle mitnehmen, dann kriegst du dein Recht.“

 

Der Schultheiß Paul Michelfelder
Von Fritz Seeger

 

Heilbronn und Ludwigsburg waren Garnisonsstädte mit Infanterie- und Kavalleriekasernen. Von Zeit zu Zeit machten kleine Abteilungen auf dem Land Manöver. Zu diesem Zweck wurden sie in kleinere Ortschaften einquartiert. Die Pferde waren dann in den einzelnen Scheunen in der Tenne untergebracht, die Soldaten schliefen auf dem Heuboden.

Vor dem Ersten Weltkrieg war bei einem solchen Manöver einmal eine Schwadron „gelber Dragoner“ in Abstatt einquartiert. Der Dragonerrittmeister und der damalige Schultheiß von Abstatt zechten in der Nacht miteinander und machten gegen Morgen folgende Wette: Der Abstatter Schultheiß wettete, dass seine Feuerwehr früher dienstbereit sei, als die Schwadron Dragoner gefechtsbereit. Also wurde für beide Alarm geblasen und siehe da, die Feuerwehr war angetreten, von den Dragonern war noch nichts zu sehen. Als jedoch die Feuerwehrmänner erfuhren, weshalb sie aus dem Schlaf gerissen wurden, erzürnte sich deren Zugführer so sehr, dass der den Schultheiß tätlich angriff. Dies hatte dann auch noch ein gerichtliches Nachspiel.

In dieser Zeit soll sich auch folgende Anekdote ereignet haben:

Schultheiß Michelfelder („Schulz Paule“ genannt) hatte ein Pferd im Stall. Im Winter, wenn es draußen recht kalt war, zogen es einige Abstatter vor, diesen Rossstall zum Aufwärmen und zum heimlichen Weintrinken zu benützen. Den Wein „organisierten“ sie im nahegelegenen Keller des „Schulz Paule“ und füllten aus dem Weinfass eine „Gelde“ (größeres Weingefäß aus Holz), von wo sie mit ihren Gläsern dann den Wein schöpften. Bei einem solchen Gelage ging plötzlich die Türe auf, und Schulz Paule trat ein und forderte die überraschten Burschen auf den Gaul einzuspannen, denn er musste dringend nach Ilsfeld. In ihrer Not schoben die Zecher die Gelde in Richtung Gaul, worauf dieser sofort zu saufen anfing und die ganze Gelde leerte. Der Schulz kam bis nach Ilsfeld, aber direkt vor dem Tierarzt fiel der Gaul um. Schnell eilte der Tierarzt herbei und stellte sofort die Diagnose: Schwarze Harnbände! (eine Art Schlaganfall). Es half nur noch ein Aderlass. Nach drei Stunden stand der Gaul wieder auf. Kommentar des Tierarztes, als er die Rechnung schrieb: „Dein Gaul hemmer grad no im letzten Augenblick gerettet.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Historische fahrbare Handdruckspritze des Johann Georg und Johann Philipp Bach, für den Pferdezug, Bj. 1751. Sie wurde noch bis 1961 in der Gemeinde Niederwald, heute 35274 Kirchhain (Erstbesitzer) verwendet. Die Feuerspritze wurde 1991 auf Kosten und im Auftrag des DFM restauriert — Front. Exponat im Deutschen Feuerwehrmuseum Fulda, Halle I.
Historische fahrbare Handdruckspritze des Johann Georg und Johann Philipp Bach, für den Pferdezug, Bj. 1751. Sie wurde noch bis 1961 in der Gemeinde Niederwald, heute 35274 Kirchhain (Erstbesitzer) verwendet. Die Feuerspritze wurde 1991 auf Kosten und im Auftrag des DFM restauriert — Front. Exponat im Deutschen Feuerwehrmuseum Fulda, Halle I.