StartseiteRubrikenübersichtNeues aus AbstattVernissage Horst Schwarz Retrospektive zum 80. Geburtstag

Neues aus Abstatt (Archiv)

Dieser Artikel befindet sich im Archiv!

Neues aus Abstatt | Ritter, Dorothee | 28.03.2018 – 28.04.2018

Vernissage Horst Schwarz Retrospektive zum 80. Geburtstag

 

VERNISSAGE

HORST SCHWARZ

RETROSPEKTIVE ZUM 80.  GEBURTSTAG

Am Freitag, 23. März 2018,  konnte der Arbeitskreis Kultur Abstatt zu seiner ersten großen Ausstellungseröffnung in diesem Jahr wieder einmal die Türen des Rathauses für das interessierte Publikum öffnen.

Der Abstatter Künstler Horst Schwarz präsentiert in einer faszinierenden Ausstellung sein Lebenswerk den begeisterten Besucherinnen und Besucher.

Vor einem mehr als vollen Haus begrüßte Bürgermeister Klaus Zenth herzlich den Künstler, das Publikum, Freunde und Familie von Horst Schwarz, der sich sehr über die vielen Gäste freute.

 

Eine hervorragende musikalische Umrahmung bot wieder einmal die Musikschule Schozachtal: Mit dem Saxofonensemble: am Altsaxofon Jamain Steckel und Nick Prüfert, am Tenorsaxofon Moritz Link und am Baritonsaxofon Leon Emmerich mit zwei virtuos gespielten Titeln „Alley Cat" und „Night of Tunesia“ und boten so einen äußerst gelungenen Rahmen für die Ausstellungseröffnung. Wieder einmal zeigte sich die Musikschule mit ihren hochmotivierten Schülern in bester Form.

 

Dorothee Ritter stellte den außergewöhnlichen Künstler mit seinen Arbeiten der gespannten Zuhörerschaft vor.

 

Horst Schwarz – Ein Leben im Zeichen der Kunst
Horst Schwarz wurde 1938 in Steinenberg, Kreis Waiblingen geboren. Als Zwölfjähriger kam der Künstler 1950 nach Abstatt. Seitdem lebt und arbeitet er hier. Nach einer Handwerkerlehre als Maler und einer Weiterqualifizierung an der Höheren Fach- und Meisterschule Stuttgart wirkte Horst Schwarz als Dekorationsmaler, Graphiker, Designer und Freischaffender Künstler in Malerei, Grafik, Plastik und Kunst am Bau. Bis 2001 war er Art Director.

Ab 1968 ist Horst Schwarz Mitglied im Künstlerbund Heilbronn und ab 1981 im Künstlerverzeichnis Baden-Württemberg zu finden. Seit Jahrzehnten arbeitet der Künstler  unermüdlich und hat vor allem in Abstatt seine künstlerisch prägenden Spuren hinterlassen. Deshalb  hat er auch 2012 den goldenen Rälling von Abstatt, und 2013 die Staufermedaille des Landes Baden Württemberg verliehen bekommen. Aber auch in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland war und ist er vertreten.

 

Fast ein jeder im Ort hier kennt ihn.  Ein bescheidener zurückhaltender und zugleich auch charismatischer Mensch, der ganz im Kreise seiner Familie und seinen Freunden lebt, der immer mit wachem Auge und Geist seine Umwelt betrachtet und sich immer noch höchst aktiv seiner kulturellen und künstlerischen Berufung verschrieben hat.

 

Der Lebensweg

Horst Schwarz zeichnet sein Leben auf. Wichtige und prägende Stationen auf seinem Lebensweg werden von ihm intensiv und tief emotional zum bildlichen Ausdruck gebracht.

Es beginnt der künstlerische und menschliche Lebensweg mit einer Darstellung, die den Titel „Erinnerung an die Jahre 1944 /1945 trägt.

Lange dauert es, und manchmal schafft man es nie, bis man die Ereignisse, die man als Kind erlebt hat und die oftmals sehr eindringlich waren und tiefe Spuren hinterlassen haben, verarbeiten kann. Schon gar nicht die Erinnerungen an einen Krieg, besonders den Zweiten Weltkrieg. Horst Schwarz` persönliche Verarbeitung und die Auseinandersetzung mit diesen Erinnerungen wird hier dargelegt.  Übermächtig zeigt der Künstler seine kindlichen Empfindungen auf. Fliegerangriffe, nackte Angst, Angst vor dem Bösen, werden symbolisiert durch riesige Augen, das Schreckgespenst des Krieges. Die klaren und machtvollen Nöte eines sechsjährigen Kindes stehen im Bild. Ständige gefühlte Bedrohung wird auch durch die starke Farbwahl verdeutlicht. Verschiedene Rot- Blau- und Grüntöne sprechen hier nicht von Hoffnung, sondern drücken massiv die Kriegsschrecken aus.

 

Und nun ist er selbst Vater und seine Kinder selbst erwachsen und Horst Schwarz fragt sich

„Quo vadis“ „Wohin geht der Weg?“

Als für den Künstler klar war, dass seine Kinder nun das elterliche Haus verlassen würden, setzte er seine Gedanken, Gefühle und Visionen bildlich um. Dargestellt durch den zerbrochenen Puppenkopf zeigt er die beendete Kindheit an. Doch was nun? Wohin wird der Weg die Seinen führen? Ein unterbrochener Pfad, ein großes geöffnetes Tor, ja Portal scheinen auf eine noch ungewisse, nicht ganz klare Zukunft hinzuweisen. Mehrere Türen, mehrere Eingänge, geöffnet, doch ohne „Einsicht“, ja “Durchsicht“ bieten viele Möglichkeiten. Was wird passieren? Was wird aus seinen Kindern werden? Wohin werden die Wege sie führen?

 

Für die Betrachtenden faszinierend, für den Künstler genial, durch seine Kunst seine Gefühle und Gedanken der jeweiligen Lebenssituationen ausdrücken und verarbeiten zu können.

 

Hoffnung

Eine weitere wichtige Station auf dem Lebensweg des Künstlers präsentiert sich hier dem Betrachter.   In einer Phase von Horst Schwarz` Leben, in der Hoffnung und alles was sich mit ihr verbindet, das Elementarste und Wichtigste war, was ihn, und auch seine Familie bestärkt hat, ist dieses Bild entstanden. Dieses Hoffen und ein starker positiver Glaube geben diesem Werk einen gewissen/bestimmten sakralen Charakter. Der Mensch, als stark stilisierte Figur im Zentrum der Darstellung wird umschlossen, und doch brechen Elemente, die wie Strahlen scheinen, der symbolisierte Hoffnungsschimmer, durch die einschließenden Hüllen hindurch bis zum Menschen, als wollten sie ihn treffen um doch positiv auf ihn einzuwirken, ihm Hoffnung zu geben. Dieses Werk möchte eine starke Empfindung auslösen und natürlich die Botschaft der Hoffnung weitertragen.

 

Als Pendant zeigt uns Horst Schwarz den „losgelösten Christus“. Er nimmt das Motiv des gekreuzigten Jesus auf – doch völlig anders als das eigentliche typische Darstellungsmodell es vorsieht. Denn hier scheint der Gekreuzigte fast schon „befreit“ zu sein. Die Lichtgestalt des Jesus, genial durch das leuchtende Gelb beschrieben, nur noch zum Teil stigmatisiert, hat stark und schwungvoll seinen rechten Arm entfesselt, der, als Ausdruck der „Erlösung“ farblich bereits zum Corpus des Jesus gehört. So weist der Maler ganz revolutionär hin auf eine ganz neue und hoffnungsvollere Art,  Jesus am Ende seines irdischen Lebens zu verbildlichen.

 

Viele Werke Horst Schwarz` beruhen auf einem konkreten Thema, einer ganz klaren Aufgabenstellung. So nun einige der folgenden  Kompositionen, bei denen auch die Farbe eine maßgebliche Rolle spielt.

 

Brennpunkte 2015

In diesem Kunstwerk verbinden sich die politischen Gedanken des Künstlers auf ganz vielfältige und aussagekräftige Weise. So sieht Horst Schwarz kritisch auf das Weltgeschehen im Jahr 2015. Im Zentrum der ins Bild gesetzten Ideen steht die Welt mit ihren Krisenherden. Wird Griechenland in der EU bleiben? Und Großbritannien? Kommt es zum Brexit? Auch das Thema „Asyl“ wird thematisiert, sowie der Ausstieg aus der Atomenergie. Und der IS taucht bedrohlich, fast schemenhaft am linken Bildrand auf. Der Ukraine-Konflikt spiegelt sich in den horizontal verlaufenden Flaggenfarben und einem Riss, der durch die Waagrechte geht, wider.  Wie sehr Horst Schwarz sich mit diesen auch heute immer noch brandaktuellen Themen auseinandersetzt, zeigt die Eindringlichkeit und Intensität dieses Werkes.

 

Prima Klima

Dieser Titel, diese Aufgabe des Künstlerbunds  wurde sehr satirisch und mit einer Spur Sarkasmus interpretiert: Wie prima ist unser Klima? Wie viel zu viel an CO2 produzieren wir? Wie viel kann unsere Flora, unsere Pflanzenwelt noch in guten Sauerstoff umwandeln? Wie lange wird es noch dauern, bis die Erde ein wüster Planet sein wird und das Klima so unerträglich, dass aufgrund unseres Handelns beziehungsweise Misshandelns die Erde selbst wie ein Spiegelei auf sich brät?

In diesem Werk überwiegt das Malerische, das mit großer Plastizität und Eindrücklichkeit seine Motive zusammenspielen lässt.

 

Stadtmetamorphose

„In der Kunst werden Metamorphosen sehr häufig als Übergang von einem Lebewesen oder Objekt in ein anderes dargestellt. Metamorphosen in Kunst und Design sind oft an mythische oder zoologische Wandlungen angelehnt.

Wohin geht hier die Entwicklung, die Verwandlung? Wird der Mensch, hier mit Elementen des weiblichen Körpers dargestellt, sich in seiner eigentlichen Ursprünglichkeit, so nackt gezeigt, ein urbanes Lebewesen?

Schöne große Frauenaugen blicken den Betrachtenden an, saugen ihn förmlich mit intensiv durchdringendem Blick in das Bild hinein. Collagenartig und kraftvoll aufgebaut, scheint noch das menschliche Wesen dominant die Metamorphose zu beherrschen. Die Stadt, nur fragmentarisch mit unscheinbaren Häusern, wirkt durch die Körperteile der Frau verdrängt. Und nimmt nur noch eine Randposition ein. Es scheint also, als ob der Mensch sich aus der Stadt, aus dem urbanen Raum heraus entwickeln, ja emanzipieren will. Hier spricht Horst Schwarz den 1978 vorherrschenden Zeitgeist an.

 

Zeitgeistig ist auch der Malstil des Künstlers und beim Betrachten seiner Werke ist auch eine deutliche künstlerische Entwicklung zu erkennen. Obwohl Horst Schwarz doch immer seiner Linie, seiner ganz ihm eigenen Ausdrucksart treu geblieben ist und treu bleibt, sind seine persönlichen Stilepochen im Oeuvre klar erkennbar.  Dies macht das Gesamtwerk spannend, expressiv und auch emotional.

 

Komposition

Der Künstler Horst Schwarz liebt die Fläche, sie ist ungemein wichtig für ihn und sein Schaffen.

Sie ist die Grundvoraussetzung für den graphischen konstruktiven Aufbau seiner Kompositionen. Linien werden gegenläufig verlängert, erzeugen Spannung. Und, obwohl der Kunstschaffende konstruierend seine Werke vollbringt, haben sie nie etwas Statisches an sich, sondern leben aus ihren Linien und Formen heraus, sind lebendig, sprechen an.

Kopf und Körper, Vernunft und Gefühl: Silhouetten sind erkennbar, exakt schöpferische Gefüge mit Licht und Schatten und auch Gegenpolen, die sich neutralisieren. Ruhige Flächen verhalten sich konträr zum bewegten Kontrast der Farben.

So zieht sich ein ambivalenter Kompositionsaufbau wie ein roter Faden durch das Oeuvre des Künstlers. Die Flächen werden bewusst entwickelt. Es wird deutlich, dass das Graphische elementar für jedes Werk ist.

Es zeichnet den Maler  aus, dass er sich bewusst und perfekt ganz in seine Thematiken hinein zu denken weiß. So erfolgt immer wieder aufs Neue eine konkrete und hintersinnige Auseinandersetzung mit den gestellten Aufgaben und dem aktuellen Zeitgeschehen.

„Der Mann denkt“ ließ ein Kunstkenner über Horst Schwarz verlauten.

 

Kulturelles Wirken in Abstatt

Was vielen von Ihnen vielleicht gar nicht so bewusst ist, ist, dass Horst Schwarz die Gemeinde Abstatt nun schon seit vielen Jahrzehnten gestalterisch und künstlerisch beratend begleitet und auch maßgeblich geprägt hat.

Dass Horst Schwarz sich ganz mit Abstatt verwurzelt fühlt, zeigt ein Gang durch die Gemeinde und man ist erstaunt, wo und in welch vielfältiger Form er seine interessanten künstlerischen Zeichen gesetzt hat.

Sein ganz eigenes, besonderes ästhetisches Merkmal ist, dass er sich bewusst und perfekt ganz in seine Thematiken hinein zu denken weiß und dies hat man hier in Abstatt immer geschätzt und schätzt es auch heute immer noch sehr.

So wurde Horst Schwarz schon unter Bürgermeister Frieder Berret immer wieder gebeten, mit seinen kreativen Ideen die Gemeinde zu unterstützen. War dies bei neuen Bauten der Fall, so griff der Graphiker und Künstler mit seiner Kunst am Bau an und ein, ob farbgestalterisch oder mit seinen einprägsamen Reliefs. So denke man da an die Wildeckhalle, an die Skulptur am Rückhaltebecken, an die Fenster der Aussegnungshallen in Abstatt und Happenbach, an das einzigartige bunte Glasfenster im Rathaus, an die Farbgestaltung und die Brunnengestaltung des Vereinszentrums.

In seiner Bescheidenheit und in seiner zurückhaltenden sympathischen Art prägte er auch die vielen „Vereinsgesichter“, ob mit seinen Entwürfen für die diversen Vereinslogos, Festschriften und Briefköpfe. Wann immer in solchen Fällen Rat und auch Tat benötigt wurde, wurde Horst Schwarz mit seinem künstlerischen Gespür und seinem ausgezeichneten gestalterischen Sachverstand mobilisiert/aktiviert.

Aber nicht nur Vereine und Firmen waren dankbar für seine Hilfe, auch die Gemeinde Abstatt  hatte seine einprägsamen Logos und auch Briefköpfe Horst Schwarz zu verdanken.

 

Sein wohl größter „Coup“ war die „Erfindung“ des Rällings -

Vor 40 Jahren hat der Graphiker dem Rälling ein „Gesicht“ gegeben. Ein zweidimensional komponiertes Katerchen, das frech und nett seine Betrachter anblickt. Lebendig und fröhlich hat Horst Schwarz diese Katze gestaltet, die die Abstatter nun schon lange begleitet. Ursprünglich war der Rällingentwurf von Horst Schwarz als Emblem für das Abstatter Straßenfest gedacht, da dieser Kater für die Gemeinde einzigartig war und ist.

Anlässlich der Entstehung und Einweihung des Abstatter Bürgerparks 2008 kam dem damaligen Bürgermeister Rüdiger Braun die glänzende Idee, dem schönen Kater doch eine plastische Gestalt zu geben – ein Rälling zum Anfassen. Eine Firma in der Schweiz setzte den Rälling nach Ansicht der zweidimensionalen Katerentwürfe von Horst Schwarz gestalterisch um. Ein großer sympathischer Kater sollte es werden. Horst Schwarz, der bei diesem Projekt beratend tätig war, gab dem Rälling den letzten Feinschliff. Doch nicht nur das, nachdem der Rohling fertig war, gestaltete der Künstler auch etliche der bunten Katzen – der jüngste ist auf dem Dach des Hotels „Das Wildeck“ zu bestaunen“. Ob für den Partnerschaftsverein, ob für die Gemeinde selbst, seine unverwechselbare einmalige künstlerisch bis ins kleinste Detail ausgefeilte und durchgeführte Katzengestaltung fasziniert immer wieder aufs Neue.

 

Er ist ganz Bürger dieses Ortes und fühlt sich diesem auch durch und durch verpflichtet. So war er lange Jahre Mitglied im Arbeitskreis Kultur Abstatt akku und ist in diesem auch heute noch beratend mit dabei, außerdem war es im Jahr 2011 für Horst Schwarz ganz selbstverständlich, bei dem durch die Gemeinde initiierten „Seniorenexpress“ seinen Beitrag zu leisten und Rällingmalkurse aktiv zu leiten, die mit viel Begeisterung von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besucht wurden.

 

So können wir hier ein ganz großes Lebenswerk würdigen, das seines Gleichen sucht und für Abstatt und die Region bestimmt einzigartig ist.

Horst Schwarz – ein Leben für die Kunst – immer am Puls der Zeit und der Menschen.

 

Im Anschluss an den offiziellen Teil ergaben sich bei einem Glas Sekt noch wunderbar angeregte Gespräche zwischen den Besucherinnen und Besuchern und dem Künstler. Wieder einmal konnte ein begeistertes Publikum an diesem Freitagabend im Rathaus Kunst vom Feinsten genießen.

 

Die Ausstellung kann täglich zu den Öffnungszeiten des Rathauses bis 22. Juni 2018 besichtigt werden.

 

Die nächste Veranstaltung des akku ist „Ein Abend mit Wilhelm Busch“ mit Burkhard Engel am 13. April 2018 im Bürgerhaus „Alte Schule“ Abstatt-Happenbach.

Karten für diese Veranstaltung gibt es im Servicebüro des Rathauses (Tel.: 07062 / 677-13) zu den üblichen Öffnungszeiten.